SportTauchClub
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2006 © Steffen Gross


Fotos:
Happo Meyrl (UW) u.
Rolf Schollmeyer

 


Hirschbrunn: Enger geht's (n)immer
... (von Steffen Gross)
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Der Hirschbrunn, nur wenige 100m vom Kessel entfernt, ist ebenfalls eine aktive Riesenkarstquelle und Teil des grossen Hirlatz-Hoehlensystems. Die Verkarstungerscheinungen sind vergleichbar mit denen des Kessels. Vereinfacht kann man sich diese Quellen als Entwaesserung bzw. Ueberlauf des nahen Dachsteinplateaus vorstellen. (Siehe Reportage "Kessel"). Die Quelle geniesst, wie der Kessel, den Status eines Naturdenkmals.

Im Gegensatz zum Kessel reagiert der Hirschbrunn wesentlich sensibler auf Regenfaelle und Schneeschmelze. Ein Ueberlauf bedingt somit nicht generell auch ein "Anspringen" des Kessel. Im September 2003 haben wir den Hirschbrunn als "Tosendes Inferno" erlebt.  Stundenlang drueckten gewaltige Wassermassen  aus der engen Spalte und verwandelten den, oft trocken liegenden, Ablauf zum Hallstaetter See in einen reissenden Fluss. Auch an ruhigen Tagen sind immer Wasserrinnsale unterhalb des Portals zu sehen. Somit ist eine staendige Entwaesserung  in den nahegelegen See vorhanden, die sich auch unter Wasser als, normalerweisse geringe, Stroemung bemerkbar macht..

Vor vielen Jahren war ich schon mal auf einer kurzen Erkundung im engen Horizontalgang nach dem Eingangsschacht. Letztes Jahr wollten Happo und ich zusammen absteigen... Leider konnte ich zu diesem Zeitpunkt  den engen Eingangsversturz nicht passieren und habe den Tauchgang vor seinem Beginn abbrechen muessen. Die spoettischen Bemerkungen unsere Begleitmannschaft (Rolf u. Hermann) verdienen an dieser Stelle keinen weiteren Kommentar.

Mitte Juli hat der Wasserspiegel ein rel. hohes Niveau, das umständliche Abklettern in den Eingangsversturz wuerde entfallen und so beschliessen wir, nach einem Kessel-Tauchgang einen kurzen Vorstoss in den Hirschbrunn zu wagen. Wenige Stunden spaeter, stehen wir oberhalb des Portals und ich traue meinen Augen nicht: das Wasser ist weg, na ja... nicht ganz, der Wasserspiegel ist auf den zweiten Blick immerhin noch so hoch, dass wir problemlos einsteigen koennen. Vorher muessen wir aber ueber loses Geroell in den Quellmund absteigen und aufpassen, keine Steinlawine loszutreten. Die Tauchgeraete bestehen aus Doppel-7 bzw. Doppel-8 "Backmount" (wie wir spaeter sehen werden, sind das nicht die optimalen Mittel der Wahl).

Der Eingangsversturz, bestehend aus 3 ineinander verkeilten Felsbloecken, ist auch ein psychologisches Problem. Die Bloecke bilden einen regelrechten Deckel auf dem Schacht. Ihr Langzeitverhalten ist alles andere als statisch. Immerhin sind sie nach starken Regenfaellen und der Schneeschmelze einer enormen, Wasserfliesgeschwindigkeit und damit einem hohen Staudruck ausgesetzt (siehe Foto). Zusaetzlich befindet sich ein weiterer verblockter Fels im Eingangsschacht unter der Wasseroberflaeche. Bei einem (unwahrscheinlichen) Zusammenbruch des Versturzes waere der Ein- (bzw. Ausgang) verschuettet...

In 8m Tiefe erreichen wir den Schachtboden und beeilen uns, in den Horizontalgang zu kommen, um aus der Fall-Linie ev. nachkommenden Gesteinsbrocken zu kommen. Ein fest verlegter und grosszuegig dimensionierter  Wasserentnahmeschlauch dient uns bis zum 2.ten Schacht als Permanentleine. Die Sicht ist nicht gerade gut, der Gang stellenweise nur ca. 0,6m hoch, aber sehr breit. So bewegen wir uns eher kriechend, auf dem Bauch,  denn frei schwimmend vor. Das Gangprofil  ist sicher in Sidemount-Technik leichter zu befahren. Happo erreicht vor mir den 2.ten Vertikalschacht und arbeitet sich in "Zaepfchentaktik" nach unten bis auf eine Tiefe von 20m vor. Ich stoppe in 16m und denke staendig an den Eingangsversturz und seine Statik...Eine halbe Stunde spaeter "schaelen " sich zwei Gestalten mit geschundener Ausruestung aus den Eingeweiden der Riesenkarstquelle.

Vielen Dank an dieser Stelle an Rolf Schollmeyer, der wieder mal als "Sherpa" und Fotograf herhalten musste.

Die Idee und gleichzeitig Herausforderung ist es, unter diesen Umstaenden brauchbare Unterwasserfotos zu erstellen. Eine Woche spaeter: Der Wasserspiegel ist mittlerweile leider um ca. 3m gefallen. Happo betrachtet sorgenvoll seine Nikonos und die mitgefuehrten Blitzgeraete. Ich betrachte (mal wieder) sorgenvoll die Felsbloecke auf dem Eingang, sie lassen sich sogar bewegen, zugegebenermassen muss man sich dafuer aber schon sehr anstrengen. Nach 1h Geroellentfernung entscheiden wir uns, in der aeussersten Ecke der Eingangsspalte, neben dem Versturz, einzusteigen. Eher eine psychologische Massnahme als wirklich sinnvoll...

Dieser Foto-Tauchgang ist eine interessante Erfahrung, da ich die gesamte Strecke bis zum 2.ten Vertikalschacht, rueckwaerts zuruecklege, um fuer Happo als attraktives Model zu "posen". In 23m setze ich auf dem Schachtboden auf, von hier  setzt er sich (erstmal) wieder als Horizontalgang fort...

 

 

Warnung

Diese Hoehle ist kein Sporttaucherziel!

Das Eindringen in diese Hoehle...
-ohne Hoehlentauchausbildung
-ohne Hoehlentaucherfahrung
-ohne Hoehlentauchausruestung
...
ist lebensgefaehrlich!