SportTauchClub
Burghausen e.V
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2006 © Steffen Gross


Fotos: Steffen Gross

 

 

 


SportTauchClub-Burghausen e.V. Tauchen mit TRIMIX
___________________________________________________________________

Eine Einführung von Steffen Gross

CMAS / VDST-Tauchlehrer * *, IANTD-Trimixdiver

 Inhalt

 1      Was ist Trimix?

2      Der Einsatz von Helium (He) als Füllgas

3      Grenzen beim Tauchen mit Druckluft

4      Grenzen beim Tauchen mit Nitrox

5      Bsp. Gasgemisch Luft: Geplante Tauchtiefe 90m

6      Bsp. Gasgemisch Trimix: Geplante Tauchtiefe 90m

7      „Travel“- und „Bottom“-mix

8      Trimix mischen (to „blend“) nach der Partialdruckmethode

9      Gasanalyse

10     Bsp. Tx21 / 35 mischen

11     Welches Mix wofür?

12     Dekompression mit O2

13     Ausrüstung

14     „Plan Your Dive and Dive Your Plan”

15     Konventionelles Dekompressionsmodell (ZH-L16 v. Prof. A. Bühlmann)

16     Dekompressionsverkürzung mit Gasblasenorientierten Modell (RGBM)

 

 

Das Referat beinhaltet / beabsichtigt

-keinen Theoriekurs und

-keine Anleitung

zur Durchführung von Trimix-Tauchgängen.

Vielmehr erfolgt eine allgemeine Einführung in die Mischgas-Thematik. 

Die Grenzwerte (insbesondere MOD), Berechnungen und Beispiele dienen ausschliesslich zur Veranschaulichung diverser Zusammenhänge und sind nicht für die Durchführung realer Tauchgänge geeignet

Warnung

Das Trimixtauchen...
-ohne Trimixtauchausbildung
-ohne Trimixtaucherfahrung
-ohne Trimixtauchausruestung
...
ist lebensgefaehrlich!
 

1               Was ist Trimix?

 Trimix ist ein Gasgemisch mit folgenden Bestandteilen:

·              Sauerstoff         O2

·              Helium             He

·              Stickstoff          N2

 Tri (= 3) mix (Mischung)

 Beim Trimix-Tauchen sättigt der Taucher mit zwei Inertgasen seinen Körper auf:

·              He und N2

N2 wird im Vglch. zu He langsamer aufgenommen und auch um einiges langsamer wieder abgegeben

 

 2               Der Einsatz von Helium (He) als Füllgas

 2.1               Vorteile

 Geringere Narkosewirkung gegenüber N2 (Hauptvorteil)

 Geringere Dichte gegenüber N2He ≈ ca. 1/7 δN),

 ·  bewirkt geringeren Atemwiderstand

 ·  bewirkt geringeren Kohlendioxidaufbau

 ·  bewirkt -Herabsetzung der "Essoufflement"-Gefahr

(durch Atemmuskulaturermüdung → Erstickungsgefühl)

 "schnelles" Gas
kann aufgrund seiner Eigenschaften schneller abgeatmet werden als N2
(N2 wird im Vglch. zu He langsamer wieder abgegeben)

 

2.2               Nachteile

 Schnelle(re) Gewebesättigung bei kurzen, tiefen Tauchgängen als N2

 ·              bewirkt längere Deko-Zeiten gegenüber "Normal"-Druckluft

(N2 wird im Vglch. zu He langsamer aufgenommen)

 ·              schnellere Körperauskühlung gegenüber N2

 Kosten

 HPNS (High Pressure Nervous Syndrome) ab ca. 16bar Umgebungsdruck

  

3               Grenzen beim Tauchen mit Druckluft

3.1               O2-Partialdruck

·              Toxische Wirkung von O2 hängt von Partialdruck und Einwirkdauer ab.

 ·              Max. O2-Partialdruck:  (bei max. Einwirkdauer von )

 3.2               N2-Partialdruck

·              Toxische Wirkung von N2 hängt auch von Partialdruck und Einwirkdauer ab.

 ·              Max. N2-Partialdruck:

 3.3               Max. Tiefen bei Einsatz von "Druckluft"

Anteile:          .→      

                                                       

                              

                    

            .→      

                                                       

                                                                             

  

4               Grenzen beim Tauchen mit Nitrox

 ·       Nitrox bezeichnet nahezu jedes O2 / N2-Gemisch zwischen 21% und 100% O2-Anteil.

Je höher der O2-Anteil, desto geringer die max. Einsatztiefe (MOD).

 ·       Das "tiefentauglichste" Nitroxgemisch ist somit Druckluft:

 ·       Das "dekompressionstauglichste" Nitroxgemisch

ist somit nahezu 100%: O2          .

 ·       Die MOD der klassischen Nitroxgemische 32 und 36 liegen bei 40m und 34m.

 ·       Die Hauptvorteile von Nitrox liegen in Einsatzbereichen oberhalb der jeweiligen MOP,
da sich, gegenüber Druckluft…
…die „Null-Zeiten bemerkenswert verlängern (bzw. Deko-zeiten verkürzen).

 

 

Bsp.: Gasgemisch: Nitrox 36, Tauchtiefe D = 25m

 pa = 3,5bar            

       

 

5               Bsp. Gasgemisch Luft: Geplante Tauchtiefe 90m

 

Anteile:         

 

 

Ergebnis:

 ·              Der zulässige wird um 25% überschritten.

·              Der zulässige wird nahezu verdoppelt.

 Die Möglichkeit einer N2-Narkose und /oder O2-Vergiftungssysmptome (Zentralnervöse Vergiftungserscheinungen) sind mit hoher Wahrscheinlichkeit gegeben.

 O2-Vergiftungssysmptometreten treten, im Gegensatz zur N2-Narkose, sehr plötzlich auf und sind somit kaum zu kontrollieren.

 O2-Vergiftungssysmptome: Muskelzuckungen, epilepsiartige Anfälle, Lähmung, Tod.

 Der zulässige, individuelle, wird gelegentlich, in Grenzen, von erfahrenen Tieftauchern erweitert: Bsp.: .

Obiger Tauchgang mit einem  ist i.d.R. auch für erfahrene Taucher definitiv nicht mehr kalkulierbar und stellt somit ein lebensbedrohliches Risiko dar.

  

6               Bsp. Gasgemisch Trimix: Geplante Tauchtiefe 90m

 

6.1               Berechnung der -und Anteile:

Anteile:                             

                    

 

6.2               Berechnung der -Anteile:

 Gesetz von Dalton:  

                                

                                

                                

                                                                

 Ergebnis: TX 16 / 44

 

6.3               Minimaler -Anteil

Der obige -Anteil von 16% stellt die Min.-Grenze zur körpereigenen Funktionserhaltung unter Ruhebedingungen dar. Dieses Gemisch ist somit auch unter Oberflächenbedingungen (nur bedingt) einsetzbar.

 ·       Mit zunehmendem Umgebungsdruck (beim Abtauchen) steigt jedoch auch der O2-Partialdruck des Trimix-Gemischs. In ca. 3m Wassertiefe ist ein  erreicht (entspricht 21 % O2-Anteil der Atemluft unter Oberflächenbedingungen).

 

6.4               Berechnung der He-Kosten:

Doppel-15l Tauchgerät,           ,

Gasgesamtvorrat:                  

He-Vorrat:                             

 

He-Preis: ca. € 2,85 / 100l (He)

  

d.h. es entstehen reine He-Kosten von ca. 75 €.

  

7               „Travel“- und „Bottom“-mix

 ·       Obiges Trimix-Gemisch ist (eingeschränkt) als Travel-mix, und als Bottom-mix einsetzbar, da kein Gaswechsel während des Tauchgangs durchgeführt werden muss.

 ·       Ein Tauchgang auf 100 m Wassertiefe ist nach obiger Betrachtung mit einem einzigen Gasgemisch nicht mehr durchführbar:

 Entweder wird der -Anteil von. 16% unterschritten:

                 bzw. 14% (bei ),

 

oder der max. zulässige O2-Partialdruck wird überschritten:

         (bei )

 

8               Trimix mischen (to „blend“) nach der Partialdruckmethode

8.1               Welches Gas zuerst?

 ·              O2-Anteil beim Mix ist naturgemäß rel. gering.

·              Anzeige analoger Druckmesser im Bereich 0…10 bar nicht exakt
Ausnahme: digitale Präzisionsgeräte.

·              Wenn He zuerst gefüllt wird, arbeitet O2-Druckmesser außerhalb der Problemzone

·              Gefahr einer O2-Überdosierung ist sehr gering

·              Andererseits ist O2 das aggressivste Gas, das Gefahrenpotential nimmt mit steigendem Druck zu

 

8.2               Vorgehensweise beim Füllen nach der Partialdruckmethode

·              Tank leeren

·              An O2-Speicher anschließen                 auf gewünschten Druck füllen

·              An He -Speicher anschließen                auf gewünschten Druck füllen

·              An Kompressor anschließen                 auf gewünschten Enddruck füllen

 

9               Gasanalyse

9.1               O2-Analyse

 Die O2-Analyse sollte mit einem O2-Analyzer

·              nach dem He / O2 – Mischen und

·              nach dem endgültigen Befüllen mit Druckluft

erfolgen.

 Die finale Analyse erfolgt

·              unmittelbar vor dem Anschluss der Atemregler an das Tauchgerät

·              vom persönlichen Benutzer

 9.2               He-Analyse?

 Die He-Analyse ist nicht zwingend notwendig.

 ·              Ein zu geringer He-Anteil erhöht etwas die vorzeitige N2-Narkotisierung.

 ·              Ein zu hoher He-Anteil hat diesbezüglich keine Auswirkung, (wohl aber geringfügig auf die Gewebe-Entsättigung)

 Generell kann der He-Anteil leicht überdosiert werden, da sich die kleinen He-Moleküle beim Füllen stark erhitzen und sich nach Abkühlen ein Druckverlust einstellt.

 He hat einen nicht zu unterschätzenden Kompressibilitätsfaktor.

Typischerweise benötigt man 3…7 bar mehr, als die Berechnungen ergeben.

 Sollte die abschließende O2-Analyse einen etwas zu hohen Wert ergeben, ist die Ursache wahrscheinlich im He-Druckverlust begründet.

 Der O2-Anteil ist kritischer zu betrachten.

 Daumenregel: im Zweifel etwas mehr He u. etwas weniger O2.

 Eine 2%-Genauigkeit ist i.d.R. für mittlere Mischungen ausreichend (z.B. Tx 21/35).

 Die Dosier-Probleme entstehen erst bei den Tiefenmischungen mit einem niedrigen O2-Anteil.

 Insbesondere Rebreather benötigen eine exakte Bestimmung des O2-Anteils, da die Tanks rel. klein sind. Mit anderen Worten, je kleiner das Gesamtvolumen, umso kritischer die Bestimmung des O2-Anteils.

 

Zu viel oder zu wenig He ist nicht tödlich,

aber

Zu viel oder zuwenig O2 kann tödlich sein!

 

Tauche niemals mit einem Tank, den Du nicht selbst überprüft hast!

Es ist Dein Leben!

 

10          Bsp. Tx21 / 35 mischen

10.1           Partialdruckfüllmethode

 ·              fO2 (Tx) =0,21    pO2 (Tx)            = 0,21* 220bar  =          46bar

 ·              fHe(Tx) =0,35               pHe(Tx) = 0,35*220bar   =          77bar

 ·              fN(Tx)   =0,44               pN(Tx)              = 0,44*220bar   =          97bar

 ·              Summe                        pGes(Tx)                                  =          220bar

 P(Luft-Kompressor) = fN(Tx) / fN(Luft)                 = 97 / 0,79 / = 123bar

Hierin enthaltener pO2 (Luft-Kompressor)            = 0,21* 123bar = 26bar

Zu ergänzender O2 -Anteil: pO2 (Füll)                 = pO2 (Tx) - pO2 (Luft-Kompressor)

= 46bar - 26bar = 20bar

Füllvorgang       P(Gesamt)

·              +20bar (O2)       = 20bar             (O2)

·              +77bar (He)      = 97bar             (Heliox)

·              +123bar (Luft)   = 220bar           (Tx21/35)

 

10.2           Bsp. Geplanter Tauchgang auf 66m (Kesselhoehle)

p(Umgebung) = 7,6bar

pN(66m) = 0,44 * 7,6bar = 3,4 bar

EAP= pN(66m) / fN(Luft) = 3,4 bar / 0,79 = 4,3 bar

EAD = 33m

 

10.3           Vorteil von Tx21/35

Tx21/35 verhält sich bei Deko nahezu wie Luft,

man kann somit u.U. auch einen „Luft“-Tauchcomputer einsetzen.

 

11          Welches Mix wofür?

11.1           Best-mix versus Standard-mix

 Best-mix

Das Best-Mix errechnet sich aus den min.- u. max. zulässigen Partialdrücken der Gase O2 und N2 für die jeweiligen Tiefenbereiche.

 Es gibt somit (im Prinzip) für jede Tiefe ein eigenes Best-Mix. Es hängt von der persönlichen Tauchgangsplanung ab, wie weit man den Tauchgang in Tiefenbereiche für ein jeweiliges Best-Mix unterteilt.

 Je differenzierter die MOD-Aufteilung bei tiefen Tauchgängen für unterschiedliche Gasmischungen, desto aufwendiger die Logistik und umso mehr Tanks müssen mitgenommen werden.

 Umgekehrt können Best-Mix-Berechnungen für die geplante Zieltiefe die Auswahl mitzunehmender Gemische gegenüber den Standardgemischen reduzieren. Insbesondere, wenn die „standardisierten“ min.- u. max. zulässigen Partialdrücken der Gase O2 und N2 hinsichtlich  „individueller“ Grenzwerte angepasst werden.

 Das bedeutet u.U ein gewisses Risiko hinsichtlich „erweiterter“ Partialdruckbereiche.

Sowie u.U. unterschiedlichen Gemische in einem Team, deren Mitglieder auf derselben Zieltiefe tauchen!

 Standard-Bottom-mix u.a.

 Tx 21/35           0m                                           bis ca. 55m

Tx 16/52           (0)m                                         bis ca. 75m

Tx 10/70           11m (typischerweise 75m)         bis ca.130m

 

Der primäre Vorteil liegt in der einfacheren Gestaltung der Tauchgangplanung und

Gaslogistik. Die Standardisierung erleichtert wesentlich die Tauchgangsplanung, da alle Teammitglieder die gleichen Mischungen verwenden.

 Ein weiterer Vorteil ergibt sich beim Gasmixen, da nicht immer wieder neue Berechnungen erstellt werden müssen.

 

11.2           He im Deco-Mix

Eine effektive Dekompression setzt voraus, dass alle Drücke der Inertgase abnehmen.

Ist dies nicht der Fall, sättigt das Gewebe wieder auf (wie beim Abtauchen). Es findet somit keine (effektive) Dekompression statt.

Anzustreben ist, alle Inertgase schnellstmöglich über die Lungen aus dem Körper zu entfernen.

N2 ist ein Gas, das um einiges langsamer ist als He. Bei langen und tiefen Tauchgängen sind somit sehr viele Gewebe mit beiden Gasen gesättigt.

Um zu verhindern, dass der Körper mehr N2 aufnimmt wird bei der Dekompression dessen Anteil im Atemgas gesenkt. Dies ist nur möglich, wenn der He-Anteil gleichzeitig erhöht wird.

Es lassen sich bisher keine exakten Berechnungen über das He-verhalten während der Dekompression anstellen. Es gibt aber mittlerweile kaum Zweifel an den pos. Effekten der He-Beimischung.

Die Vorteile liegen bei langen und tiefen Trimix-Tauchgängen.

Wichtig beim Tauchen mit hohen He-Anteilen im Atemgas ist eine möglichst geringe Aufstiegsgeschwindigkeit.

11.3           Gängige Deko-Mischungen:

Tx 50/15 oder Tx 50/25.

Bei Tx 50/25 entspricht der pN2 in 21 Metern dem von N2 an der Oberfläche.

·  Somit wird das Gewebe nicht weiter mit N2 aufgesättigt.

Bei „tiefen“ Deko-gasen (>21m) wird max. pO2 nicht ausgenutzt

·  Einsparungspotential hins. Dekodauer gering

·  O2-Vergiftungsrisiko zu groß

Idealer Dekogas-pO2 liegt zwischen 0,8 und 1,6bar (bzw. 1,4bar)

 

12          Dekompression mit O2

 12.1           Verwendung von O2

Vorteil u.a. kein Inertgas behindert die Entsättigung

 

Der größte positive Effekt bei der Dekompression mit O2 wird in 6 Metern Tiefe erzielt.

Dies ist auch der Grund, warum viele Taucher keinen 3 Meter-Stopp mehr durchführen.

Nach Beendigung der Dekompression muss sehr langsam von 6 auf 0 Meter aufgetaucht werden.

max. Aufstiegsgeschwindigkeit: 1m / min.

 

12.2           Airbreaks

Alle 15 - max. 20 Minuten muss eine Pause für ca. 5 Minuten mit einem Atemgas, das den geringsten ppO2 besitzt durchgeführt werden.

Das Gas darf in 6 Metern Tiefen nicht hypoxisch sein, d.h. einen ppO2 ≥ 0.16 bar aufweisen.

Diesen Vorgang nennt man "AIRBREAK". Diese Airbreaks müssen durchgeführt werden, um bei langen und hohen O2-Belastungen die Lungen nicht zu schädigen.

pO2 > 0,5 bar: Lorrain-Smith-Effekt:

Gewebsschädigende Wirkung, hauptsächlich eine Schädigung der Lungenoberfläche (Lipoidschicht) bei längerer Einwirkzeit (100 % Sauerstoff mehrere Stunden).

 

13          Ausrüstung

Das Zauberwort heißt: "Redundanz"

 Redundante Systeme: Atemgasversorgung, Lichtversorgung, "Sehhilfe", Instrumente

 Für alle Redundanzsysteme gilt: Ein Wechsel zwischen Haupt- und Backupsystem (auch "Bailout-system") muss schnell und einfach (ohne "Herumhantieren") durchführbar sein.

 Ein Ausfall der primären Luftversorgung (beinhaltet Tauchgerät und / oder Atemregler) muss durch ein 2.tes vollwertiges System, bestehend aus Tauchgerät und Atemregler, kompensiert werden.

 Oktopussysteme und "Not"-atemgeräte ("spare-air", Jacketflasche und / oder -automat) erfüllen dieses Kriterium nicht!

 Ein Ausfall der primären Lichtversorgung (i.d.R. Hauptlampe) muss durch mind. eine (besser zwei) Backup-Lampen (meist geringere Brennerleistung), kompensiert werden.

 Eine defekte oder undichte Tauchmaske muss durch eine Ersatzmaske kompensiert werden. Ein Ablesen der Instrumente (insbesondere Tauchcomputer) ist mit "bloßem Auge" unmöglich.

Instrumente (Zeit und Tiefenmesser) sowie Runtimetable müssen immer doppelt vorhanden sein.

Verwendung ausschließlich von hochwertigen Tauchausrüstungskomponenten, über die schon Erfahrungsberichte vorliegen. Billige "Schnäppchen"angebote und "wegweisende" Neuentwicklungen erfüllen oftmals nicht die harten Anforderungskriterien.

  Beschränkung auf das Notwendigste. Unnötige Utensilien ("hammerhead", D-Ring -überfrachtete Techjackets, "tankbanger" und ähnlicher Unsinn) haben an einer Tauchausrüstung nichts verloren.

Anwendung von Runtime-(und Bailout)-Tabellen.

·  Der klassische Tauchcomputer erfüllt, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nur die Fkt. eines „Bottom-timers“ (kombinierte Zeit-/Tiefenanzeige).

·  Verwendung einer Runtime-slate in Verbindung mit Bottom-timer

·  Der Ausfall von Gasen oder eine Überschreitung der Tauchzeit ist immer in der Tauchgangsplanung zu berücksichtigen: "bailout tables"

 Additiver Einsatz eines mischgasfähigen Tauchcomputers

·  vereint Fkt. von Bottom-timer und Runtime-slate

·  teuer für „Gelegenheitstrimix-tauchgänge)

 

14          „Plan Your Dive and Dive Your Plan”

 Die sorgfältige Tauchgangsplanung ist unerlässlich für einen sicheren Trimix-Tauchgang

 Die Trimix-Tauchgangsplanung bedingt u.a….

 …ein erweitertes Wissen hinsichtlich der Dekompressionstheorie

 …die Kenntnis und das grundlegende Verständnis gängiger Dekompressionsmodelle

 ·  ZHL16

 ·  Deepstop

 ·  VPM

·  RGBM

 

 …die Anwendung von Tauchplanungssoftware (basierend auf einem Dekompressionsmodell)

  …das Erstellen von Notfall-Prozeduren („Bailout-Procedures“)

  

Der sichere Trimix-Tauchgang bedingt u.a….

 …die konsequente Durchführung des Tauchgangs basierend auf der Planung

  …die Kenntnis zur Anwendung der Notfall-Prozeduren („Bailout-Procedure“)

 

15          Konventionelles Dekompressionsmodell (ZH-L16 v. Prof. A. Bühlmann)

 Konventionelle Gas-Modelle werden auch als Neo-Haldane-Modelle bezeichnet.

 Haldane entwarf Anfang des 20. Jahrhunderts das 1.te brauchbare Gas-Modell.

Er erkannte u.a., das Taucher aus 10m Wassertiefe, beschwerdelos, ohne Stopp an die Oberfläche auftauchen können Diese Beobachtung veranlasste ihn zu der Annahme eines „tolerierbaren Überdruckgradienten“ von 2:1. Eine zu optimistische Einschätzung, die in den folgenden Jahrzehnten korrigiert wurde.

 Die Bühlmann-Modelle sind heutzutage die weltweit verbreitetsten, auch als Grundlage für die Gestaltung verschiedenster Tauchplanungssoftware bzw. Tauchcomputer. Ein Grund hierfür liegt in den rel. einfachen mathematischen Berechnung. Die Entwickler verändern mitunter die Koeffizienten der Gleichungen, somit ergeben sich unterschiedliche Dekompressionszeiten gegenüber dem „Original“. Vielen Computern und Tabellen ist auf den 1.ten Blick ihre „Verwandschaft“ zu ZH-L nicht anzuerkennen.

 ZH                    =Zürich,

L                      = Limit,

12 oder 16        = Paar-Nr. der M-Werte (Koeffizienten) für 16 Halbzeitkompartimente

   Empirisch ermittelt für 12, mathematisch abgeleitet für 16)

A, B oder C:

Das Modell A wurde unterteilt in B und C, da das mathematisch abgeleitete A-Model für die mittleren Kompartimente nicht konservativ genug erschien.

 Das B-Model (leicht konservativer) wird für Tabellenkalkulation bevorzugt.

 Das C-Model (mehr konservativ) wird für Tauchcomputer in Echtzeit-Berechnung bevorzugt.

 

15.1           Charakteristik

 Annahme: Die gesamte gespeicherte Gasmenge liegt in gelöster Form vor.

ZH-L16 berücksichtigt somit keine verlängerte Entsättigung durch Mikroblasenbildung, die das Abatmen des N2 behindert.

ZH-L16 beurteilt He rel. negativ, da sich die Erkenntnisse auf druckkammergestützte Untersuchungen mit O2 / N2 stützen. He-anteilige Atemgasgemische wurden lediglich mathematisch abgeleitet

 Bei der Verwendung von He im Atemgas werden dekompressionsverlängernde Zeitzuschläge eingerechnet.

 

15.2           M-Werte (“M-Values”)

 M(aximum)-Value

 ZH-L16 erlaubt dem Taucher, bis zur minimalen Dekompressions-Tiefe (Ceiling) aufzusteigen, basierend auf den sog. M-Werten für die theoretischen Gewebekompartimente.

 M-Values wurden erstmals 1965 durch M Workmann präsentiert: Grundgedanke: Inertgas bildet keine Blasen aus der Gewebelösung, bevor ein M-Wert überschritten wird.

 Nach Entwicklung der Ultraschall-Doppler-Messmethode wurde nachgewiesen, dass Blasen, während und nach dem Tauchen, immer im Körperkreislauf anwesend sind, auch wenn keine DCS-Symptome vorliegen und somit keine M-Werte überschritten wurden.

 Der M-Wert ist definiert als (absoluter) max. tolerierbare Inertgas-Druck bei gegebenem Umgebungsdruck, bei dem ein (hypothetisches) Gewebe keine DCS-Symptome aufzeigt.

 je größer der Druckunterschied, desto schneller der Gasaustausch

 Die M-Werte repräsentieren somit Grenzwerte für einen tolerierbaren Gradienten zwischen Inertgasdruck und Umgebungsdruck für jedes Kompartiment.

 Kurz gesagt: M-Werte = Grenzwerte für tolerierbaren Inertgas-Überdruck.

 

15.3           Auswirkungen in der Praxis

Während der Dekompression:

 ·  Inertgas-Abbau in den schnelleren Geweben wird beschleunigt

 ·  Inertgasaufnahme in den langsameren Geweben wird minimiert

Für einen typischen kurzen „Bounce“-Tieftauchgang erlaubt dieses Modell einen langen Aufstieg bis zur 1.ten Deko-Stufe.

Hierbei kann die Inertgasaufnahme in den schnelleren Geweben die Sättigungsgrenze erreichen, während die langsamen Gewebe nur teilweise aufgesättigt werden.

 D.h. die schnellen Gewebe bestimmen den Aufstieg, da ihre Aufsättigung schneller an die M-Werte gelangt, als die langsamen.

 Der 1.te Stopp ist erreicht, wenn die Gasaufnahme im schnellsten Kompartiment gleich dem M-Wert ist.

 Auch ohne M-Wert-Überschreitung, kann sich ein Taucher nach dem Tg. "abgeschlagen" fühlen. Ursachen nicht ganz geklärt:

 ·  u.U. Blasenwanderung im Körper und

 ·  verspätetes Ausgasen durch Blasenansammlung in den pulmonaren Kapillaren.

 Auf jeden Fall besteht ein Zusammenhang zwischen Überdruckgradienten (anschaulich vielleicht auch "Druck-Aufstiegsgefälle") während des Tauchgangs und Symptomen danach.

 Die nahe liegende Lösung liegt in der Begrenzung der Überdruckgradienten-Werte.

 

15.4           Gradientenfaktoren

 Mit ihnen lässt sich das "Druck-Aufstiegsgefälle" für das gesamte Deko-Profil steuern.

 Sie können folgendermaßen genutzt werden:

Deepstop-Generierung

Steuern der Überdruckgradienten

Herstellen einer Sicherheitsspanne gegenüber den M-Values über das gesamte Tauchgangsprofil.

Ziel: Jedes Inertgas soll sich über den gesamten Aufstieg entsättigen, d.h. , einen Gradienten haben. Darum auch He-Verwendung im Dekogemisch.

  

Zwei Werte haben hierbei eine direkte Auswirkung auf die Dauer der Dekompression:

 GF-High            Nominalwerte: 85%       Max.-Werte: 120%

GF-Low.           Nominalwerte: 25%       Max.-Werte: 10%

 

GF-low

 beeinflusst die Tiefe des 1.ten Stopps (je kleiner GF-low, umso tiefer der 1.te Stopp)

Je kleiner der Wert um so tiefer der erste Stopp.

Ziel: Verringerung von Blasenbildung.

 

GF-high

 beeinflusst die verbleibende Geweberestsättigung nach der Dekompression

Je höher der Wert umso kürzer werden die Stopps, da eine höhere Restsättigung akzeptiert wird.

Dieser Wert wird von Tauchern häufig überschritten (z.B. 120%).

 

Das DCS-Risiko steigt mit zunehmendem GF-High an.

Der letzte Stopp wird auf 6 Meter Wassertiefe angesetzt

 

Die Nominalwerte sollten unter folgenden Unständen nicht modifiziert werden:

(kurze) Bounce-Tauchgängen!

Geringer oder kein He-Anteil im Bottom-mix!

kein He-Anteil im Deko-Mix.

 

15.5           Modifizierte Dekompressionsverfahren mit „Deepstops“ nach Pyle

 

Hierbei beginnt die Dekompressionsphase nicht an der (gemäß ZH-L16) berechneten Stufe, sondern deutlich tiefer.

 Ziel: Mikroblasenreduzierung / -Vermeidung

 Das Verfahren geht auf den Fischkundler R. Pyle zurück, der sich nach Dekompression gemäß Tabelle oder Computer häufig „abgeschlagen“ fühlte.

 Sobald er aus Rücksicht auf den Schwimmblasendruckausgleich eingefangener (lebender)Fische langsamer austauchte, fühlte er sich deutlich besser

 Die „Deepstops“ wurden aufgrund dieser Erfahrung von Pyle entwickelt:

 1.ter Deepstop

 

 (Mittelwert)

 

 

Von 10m…0m Tiefe wird regulär nach Tabelle / Computer dekomprimiert

 

Ab Erreichen des 1.ten Stopp ist die Aufstiegsgeschw. auf max. 10m/min. zu reduzieren.

 

Das Hinzufügen von Deepstops führt generell

 

zu längerer Deko-Zeit in flachem Wasser u. somit

 

zur Verlängerung der Gesamt-Dekozeit.

  

Vorteil

 Das Verfahren lässt sich rel. leicht von „ambitionierten“ Sporttauchern“ für dekompressionspflichtige Tauchgänge einsetzen und muss nicht vorher geplant werden.

 

Nachteil

 Nicht geeignet für kurze „Bounce-Tauchgänge mit Luft, da Stopps insgesamt zu lang

Nicht geeignet für lange Trimixtauchgänge.

Das „Original“-Verfahren nach Pyle ist mittlerweile veraltet und wurde mit den gasblasenorientierten Rechenmodellen überarbeitet.

 

16          Dekompressionsverkürzung mit Gasblasenorientierten Modell (RGBM)

16.1           VPM (Varying Permeability Model)

 

Das Model der Inertgasaufnahme bei VPM ist identisch mit ZHL. Der primäre Unterschied liegt in der Betrachtung der Inertgasabgabe:

 Die Aufstiegskontrolle bei ZHL erfolgt durch Kompartimentübersättigung. Der 1.te Stopp ist angezeigt, wenn dieInertgasaufsättigung (fast) dem M-Wert entspricht.

 VPM-Annahme:Gase liegen im Körper nicht nur in gelöster, sondern auch als Gasblasen (µ-Blasen) vor. VPM limitiert Blasenbildung (Blasenvolumen) durch das Einhalten tieferer Stopps bei denen Gasblasendruck immer deutlich über dem umgebenden Gewebe gehalten wird. VPM nutzt somit Deepstops um Inertgase in Lösung zu halten bis sie durch die Körperzirkulation eliminiert werden, anstelle in Blasen überzugehen.

Die Dekompression ist dadurch effektiver als bei ZHL

 

TiefsterDeko-Stopp:

Die schnellen Kompartimente kontrollieren den Aufstieg, da sich ihre N2-Anreicherung näher an den M-Werten befindet, als die der langsamen Kompartimente.

Der 1.te Dekostopp sollte innerhalb des Dekompressionsbereichs liegen, d.h. es sollte in dieser Tiefe für das führende Kompartiment keine weitere Gasaufsättigung stattfinden.

Dieser Stopp muss aber nicht in jedem Fall durchgeführt werden. Für viele Deko-Profile sind Stopps weit oberhalb des tiefstmöglichen durchaus ausreichend, um große Überdruckgradienten zu vermeiden.

 Die Weiterentwicklung von VPM, einschließlich Wiederholungs- und „Multi-day“-Tauchgänge ergab

 

16.2           RGBM (Reduced Gradient Bubble Model)

 

Modifizierte Gas-Programme mit variablen Gradientenfaktoren

 RGBM ist eine Weiterentwicklung von VPM

 Charakteristik:

Erweiterung des kritisches Blasenvolumen für Wiederholungstauchgänge wird durch Gradientenreduzierung („Reduced Gradient…“) erreicht.

Die Gradientenreduzierung ist abhängig…

·  von bereits vorhandenen Blasenzellen

·  vom Tiefenvehältnis der Wiederholungstauchgänge zum vorangegangenen Tauchgang

·  vom Blasenwachstum der Wiederholungstauchgänge

 

16.3           Tauchplanungssoftware GAP

 

Ziel während der Dekompression…

         Minimierung der Aufsättigung langsamer Geweben

         z.B. durch Einsatz vonTauchplanungssoftware (z.B. GAP)

 

Abhängig v. verwendetem GF-Faktor oder Konservatismus kann

          die Gasaufsättigung der langsameren Gewebe

          bei den flachen Stopps näher am M-Wert liegen

         Ursache: zusätzliche Aufsättigung während der Deepstops

 

 „GAP“ berücksichtigt zwar die Deepstops, aber solange

          der "conversatism-factor" (RGBM-Modus)nicht erhöht wird oder

          die Gradientenfaktoren (GF-Modus)nicht angepasst werden

         liegt Sicherheit (bei Flachwasserstopps) unterhalb von ZH-L16

 

 

Warnung

Das Trimixtauchen...
-ohne Trimixtauchausbildung
-ohne Trimixtaucherfahrung
-ohne Trimixtauchausruestung
...
ist lebensgefaehrlich!